Von Node.js zu Bun: So holst du mehr Performance aus deinem Next.js-Projekt

Bun und Next.js: Warum diese Kombination deine Web-Apps deutlich schneller macht
Abstract
- #Bun Runtime
- #Next.js Performance
- #JavaScript Runtime
- #Node.js Alternative
- #Webentwicklung
- #Web-Performance
- #Server-Side Rendering
- #Static Site Generation
- #Dev-Server Optimierung
- #Moderne Web-Technologien
Bun Runtime erklärt: Der neue Turbo für deine Next.js-Anwendungen
Stell dir vor, du fährst einen modernen Sportwagen – aber der Motor stammt aus dem Jahr 2009. Genau so verhält es sich mit vielen Next.js-Anwendungen: Das Framework selbst ist hochmodern und optimiert, doch darunter läuft noch immer die altbewährte Node.js-Runtime. Mit Bun gibt es jetzt eine Alternative, die wie ein Motorentausch für deine Web-Anwendungen wirkt. In diesem Artikel schauen wir uns an, was Bun eigentlich ist, warum es so viel schneller arbeitet und wie du es ganz einfach in deinem Next.js-Projekt einsetzen kannst.
Was Next.js bereits leistet – und wo die Grenzen liegen
Next.js hat die Art und Weise, wie wir Webanwendungen entwickeln, grundlegend verändert. Das Framework bringt von Haus aus zahlreiche Optimierungen mit, die früher mühsam von Hand konfiguriert werden mussten. Smartes Bundling mit Webpack und jetzt mit Turbopack, automatische Bild- und Schriftartenoptimierung, effizientes Server-Side Rendering und Static Site Generation – die Liste ist lang.
Mit Features wie Incremental Static Regeneration und React Server Components hat Next.js die Performance-Schraube immer weiter angezogen. Doch bei all diesen Verbesserungen gibt es eine fundamentale Schicht, die das Framework selbst nicht optimieren kann: die Runtime, also die Umgebung, in der dein JavaScript-Code tatsächlich ausgeführt wird.
Die Rolle von Node.js verstehen
Wenn du next dev startest oder deine App deployst, läuft sie auf Node.js. Das bedeutet konkret: Node.js führt deinen JavaScript-Code aus, verwaltet den Event Loop, kümmert sich um Dateizugriffe und bildet die Brücke zwischen deinem Code und dem Betriebssystem.
Node.js ist dabei wie ein bewährter Übersetzer. Dein JavaScript-Code spricht eine Sprache, das Betriebssystem eine andere – und Node.js übersetzt dazwischen. Das funktioniert seit 2009 zuverlässig, aber die Übersetzung nimmt Zeit in Anspruch.
Warum Node.js in die Jahre gekommen ist
Um zu verstehen, warum Bun einen echten Unterschied macht, müssen wir kurz unter die Motorhaube von Node.js schauen. Node.js verwendet die V8-Engine von Google – dieselbe Engine, die auch Chrome antreibt. V8 ist hervorragend für lang laufende Aufgaben optimiert, etwa wenn du einen Browser-Tab stundenlang geöffnet hast.
Allerdings kann V8 allein keine Dateien öffnen oder Netzwerkverbindungen herstellen. Dafür nutzt Node.js sogenannte Built-in APIs wie fs für Dateizugriffe oder http für Netzwerkanfragen. Diese APIs wiederum bauen auf einer C-Bibliothek namens libuv auf – einer generischen Abstraktionsschicht für verschiedene Betriebssysteme.
Der lange Weg einer einfachen Dateianfrage
Wenn du in deinem Code fs.readFile() aufrufst, passiert Folgendes: Dein JavaScript-Code wird von V8 interpretiert, dann an die Node.js C++-Bindings übergeben, diese rufen libuv auf, und erst libuv macht den eigentlichen Systemaufruf ans Betriebssystem. Das ist wie eine Telefonkette mit mehreren Zwischenstationen – funktioniert, aber jede Station kostet Zeit.
Hardware von heute, Architektur von gestern
Als Node.js 2009 erschien, hatten Server vielleicht vier CPU-Kerne und begrenzten Arbeitsspeicher. Das Single-Thread-Modell mit Event Loop war damals eine clevere Lösung, um trotzdem tausende Verbindungen gleichzeitig zu handhaben.
Heute sieht unsere Hardware völlig anders aus: Hunderte CPU-Kerne, Terabytes an Arbeitsspeicher, Speichermedien, die 50-mal schneller sind als damals. Doch Node.js schiebt immer noch alles durch denselben Event Loop – wie ein sechsspuriger Highway, der am Ende durch einen einspurigen Tunnel führt.
Besonders spürbar wird das bei modernen Anwendungsszenarien: Serverless Functions, die blitzschnell starten müssen, Dev-Server, die ständig neu laden, kurze Build-Skripte. Hier zählt jede Millisekunde beim Start.
Bun: Eine Runtime für moderne Hardware
Bun ist keine weitere Schicht auf Node.js, sondern eine komplett neu entwickelte Runtime für die Hardware, die wir heute tatsächlich haben. Der Unterschied beginnt bereits bei der Programmiersprache: Während Node.js in C++ geschrieben ist und auf libuv aufbaut, ist Bun in Zig entwickelt – einer modernen Systemsprache, die viel näher an der Hardware arbeitet.
JavaScriptCore statt V8
Statt Googles V8 verwendet Bun Apples JavaScriptCore-Engine. Diese Engine startet deutlich schneller, weil sie bestimmte Initialisierungen aufschieben kann, die V8 sofort durchführt. Für lang laufende Browser-Tabs mag V8s Ansatz sinnvoll sein, aber für Dev-Server und Serverless-Umgebungen ist schnelles Hochfahren entscheidend.
Direkte Systemaufrufe ohne Umwege
Der eigentliche Clou liegt in der Art, wie Bun mit dem Betriebssystem kommuniziert. Während Node.js den Umweg über libuv nehmen muss, kann Bun dank Zig direkte Systemaufrufe machen. Wenn du mit Bun eine Datei liest, geht der Weg direkt von deinem JavaScript-Code über JSC zu Zig und dann zum Betriebssystem – deutlich weniger Zwischenstationen als bei Node.js.
Das Ergebnis spürst du überall: schnellerer Start, schnellere Dateizugriffe, schnellere HTTP-Server. Es fühlt sich an, als hätte jemand den Turbo eingeschaltet.
Mehr als nur Geschwindigkeit: Buns Batteries-Included-Philosophie
Bun will nicht nur schneller sein, sondern auch praktischer. Ein Kernziel ist die vollständige Kompatibilität mit Node.js – alle Node-APIs sollen funktionieren. Darüber hinaus bringt Bun aber zahlreiche zusätzliche APIs mit, die direkt eingebaut sind.
Eingebaute APIs für alltägliche Aufgaben
Als JavaScript-Entwickler haben wir uns daran gewöhnt, für praktisch alles eine Abhängigkeit zu installieren. Password-Hashing? Dependency. S3-Zugriff? Dependency. Datenbankverbindung? Noch eine Dependency.
Bun ändert das radikal. Häufig benötigte Funktionen sind direkt in die Runtime eingebaut:
Ein eingebauter SQL-Client verbindet sich direkt mit PostgreSQL, MySQL und SQLite über eine einheitliche API – ohne zusätzliche Pakete. In Benchmarks ist dieser Client bis zu elfmal schneller als mysql2 auf Node.js.
Der S3-Client funktioniert sofort mit jedem S3-kompatiblen Speicher: Amazon S3, Supabase Storage, Cloudflare R2. Die Performance liegt bis zu sechsmal höher als beim AWS SDK auf Node.js.
Dazu kommen Redis-Unterstützung, Hashing-Funktionen, eine eingebaute Shell und vieles mehr. Diese APIs sind keine oberflächlichen Wrapper um npm-Pakete, sondern direkt in Zig implementiert und entsprechend optimiert.
Weniger Dependencies, weniger Probleme
Der Vorteil geht über pure Geschwindigkeit hinaus. Weniger Abhängigkeiten bedeuten kleinere Bundle-Größen und weniger Angriffsfläche für Sicherheitslücken in npm-Paketen. Du musst natürlich nicht die eingebauten APIs verwenden – bestehende npm-Pakete funktionieren weiterhin.
Buns Werkzeugkasten: Package Manager, Bundler und Test Runner
Bun ist mehr als nur eine Runtime. Es bringt einen kompletten Werkzeugkasten mit, den du auch unabhängig von der Runtime nutzen kannst.
Der blitzschnelle Package Manager
bun install ist bis zu 17-mal schneller als Yarn, siebenmal schneller als npm und viermal schneller als pnpm. Das Beste daran: Du musst dafür nicht die Bun-Runtime verwenden. Ersetze einfach npm install durch bun install in deinem bestehenden Projekt – es funktioniert sofort mit Node.js weiter.
Bundler und Transpiler inklusive
Bun enthält einen eingebauten Bundler und Transpiler. TypeScript und JSX werden ohne Konfiguration unterstützt. Du brauchst weder Webpack noch esbuild noch zusätzliches Setup. Einfach bun run datei.ts und es läuft.
Ein schneller Test Runner
Der integrierte Test Runner ist bis zu 14-mal schneller als Vitest und 23-mal schneller als Jest bei React-Tests. Auch hier: keine Installation, keine Konfiguration, einfach loslegen.
Bun in Next.js einsetzen – so einfach geht's
Die Integration von Bun in ein bestehendes Next.js-Projekt ist erfreulich unkompliziert. Nach der Installation von Bun musst du lediglich deinen Start- oder Dev-Befehl anpassen:
bun run --bun next dev
Das --bun-Flag ist wichtig: Ohne dieses Flag erkennt Bun, dass Next.js ein Node-Shebang verwendet, und würde aus Kompatibilitätsgründen automatisch auf Node.js zurückfallen. Mit dem Flag sagst du Bun explizit, dass es die eigene Runtime verwenden soll.
Was sich ändert – und was nicht
Mit diesem Befehl startet Bun deinen Next.js-Dev-Server. Der Bundler bleibt Next.js mit Turbopack, aber die Runtime darunter – das, was deinen JavaScript-Code ausführt, Dateien liest und Antworten sendet – ist jetzt Bun.
Da Bun auf Node-Kompatibilität ausgelegt ist, solltest du nichts an deinem Code, deinen Paketen oder deiner Middleware ändern müssen. Falls doch etwas nicht funktioniert, ist das ein Bug in Bun, der gemeldet werden sollte.
Zugriff auf Buns eingebaute APIs
Sobald deine App auf Bun läuft, kannst du die eingebauten APIs nutzen. Ein Beispiel mit dem S3-Client in einer React Server Component zeigt den Unterschied deutlich: weniger Code, keine zusätzlichen Dependencies, und du kannst jederzeit zwischen verschiedenen S3-Anbietern wechseln.
Du kannst sogar SQL-Abfragen, S3-Zugriffe und Shell-Befehle direkt in einer Server Component kombinieren – alles nativ in Bun, ohne externe Tools oder API-Schichten.
Deployment: Bun in Produktion bringen
Bun-Apps lassen sich bereits auf Plattformen wie Render oder Railway deployen, oder du containerisierst sie mit Docker. Für Next.js-Entwickler ist aber besonders interessant, dass native Bun-Unterstützung auf Vercel in Kürze verfügbar sein wird.
Erste Tests mit einer Hono-API zeigten bereits einen CPU-Verbrauch, der um 30 Prozent niedriger lag – allein durch den Wechsel zur Bun-Runtime. Diese Einsparungen gelten genauso für Server Functions und React Server Components in Next.js.
Schrittweise Migration empfohlen
Du musst nicht alles auf einmal umstellen. Eine schrittweise Adoption macht den Wechsel risikoarm:
Beginne mit bun install. Das ändert nichts an deinem Code, nutzt aber Buns schnellen Package Manager. Teste dann lokal die Bun-Runtime mit bun run --bun. Prüfe, ob alles funktioniert wie erwartet. Erst danach kannst du schrittweise Buns native APIs einsetzen, wo es sinnvoll erscheint.
Das Schöne an diesem Vorgehen: Jeder Schritt ist reversibel. Wenn etwas nicht passt, wechselst du einfach zurück zu Node.js.
Fazit: Die nächste Evolutionsstufe für JavaScript-Performance
Next.js hat die Art revolutioniert, wie wir für das Web entwickeln. Bun geht den nächsten logischen Schritt und modernisiert die Grundlage, auf der alles läuft. Die Kombination aus beiden verspricht nicht nur schnellere Entwicklungszyklen, sondern auch performantere Anwendungen in Produktion.
Der Einstieg ist denkbar einfach: Mit bun install kannst du noch heute beginnen, ohne irgendetwas an deinem Projekt zu ändern. Und wer weiß – vielleicht ist der Wechsel zur Bun-Runtime genau der Performance-Boost, den deine nächste Anwendung braucht.
FAQ
Muss ich meinen bestehenden Code umschreiben, um Bun zu nutzen?
Nein, Bun ist auf vollständige Node.js-Kompatibilität ausgelegt. Dein bestehender Code, deine npm-Pakete und deine Middleware sollten ohne Änderungen funktionieren. Du kannst zunächst nur bun install als Package Manager nutzen und später optional zur Bun-Runtime wechseln. Falls doch Kompatibilitätsprobleme auftreten, gilt das als Bug in Bun.
Kann ich Bun und Node.js in einem Projekt parallel verwenden?
Ja, das ist sogar ein empfohlener Ansatz für die schrittweise Migration. Du kannst beispielsweise bun install für schnellere Paketinstallationen nutzen, während deine App weiterhin auf Node.js läuft. Auch Buns native APIs lassen sich selektiv einsetzen, während du für andere Bereiche weiterhin npm-Pakete verwendest.
Welche konkreten Performance-Verbesserungen kann ich erwarten?
Die Verbesserungen variieren je nach Anwendungsfall. Package-Installationen sind bis zu 17-mal schneller als mit Yarn. Der eingebaute SQL-Client ist bis zu elfmal schneller als vergleichbare npm-Pakete auf Node.js. Bei Dev-Server-Starts und Build-Zeiten berichten Entwickler von spürbaren Verkürzungen. In Produktionsumgebungen zeigten erste Tests bis zu 30 Prozent weniger CPU-Verbrauch.
- Technologien
- Programmiersprachen
- Tools